Mahmoud

Mahmoud, 27 Jahre, hat eine Firma, die mit Lebensmittel handelt. Er muss aber auch in den beiden Firmen seines Vaters mitarbeiten, in der Baustoffbranche. Letzte Woche hat sein Vater ihm eröffnet, er möge sich doch von seiner eigenen Firma trennen. Denn Mahmoud arbeitet 7 Tage in der Woche in großer Hektik. Und seine Manager-Aufgaben könne man keinem Angestellten übertragen, weil es doch um viel Geld ginge und man Fremden nicht trauen könne.
Beim ersten Treffen fahren wir, seine zauberhafte Frau und deren Bruder, nach Abbas Abad, einem Hügel oberhalb der Stadt. Er schwärmt mir von der guten, kühlen Luft dort und dem schönen Ausblick, weil die Stadt so stickig und heiß sei, während wir mit tausend anderen Fahrzeugen im Stau stecken auf dem Weg in die Freiheit. Aber man soll sich nicht den Kahlenberg vorstellen oder das Kreuzbergl und deren beschauliche Anhöhen. Wir kreisen eine halbe Stunde für einen schuhlöffelgroßen Parkplatz, schleppen dann Decken und Körbe mit Essen durch Spaliere von am Boden lagernde Familien, begleitet von einem Riesenjahrmarkt mit fröhlichen Menschen, Verkaufsständen, Bratbuden, Zuckerwatte, Popmusik aus Lautsprechern und herumtollenden Kindern, und finden schließlich ein Plätzchen auf den metergroßen Stufen oberhalb des Paintball-Spielplatzes. Früher hatte Mahmoud dort Rollhokkey gespielt in der Nationalmannschaft, nun hat er den Sport aufgeben müssen wegen Zeitmangel.
Am folgenden Abend sitzen wir auf der Terrasse des großelterlichen Gartens, wieder auf einer am Boden ausgebreiteten Decke, und essen mit von Nadire zubereiteten Aufstrich gefüllten Sandwich in der lauen Abendluft, während alle paar Minuten Mahmouds Handy läutet, seine Großmutter vom Balkon etwas einwirft oder ihm etwas einfällt, das er Nadire noch sagen muss. In dieser Zeit sprechen wir von der heutigen Wirtschaftspolitik des Iran, die deutlich besser wäre als bei der letzten Regierung, (Am nächsten Tag, im Hallenbad, erfahre ich, dass sein Onkel Erziehungsminister in der Regierung ist. Deshalb kommen wir so billig ins Hallenbad der Universität von Hamedan, welche die beste und begehrteste des Landes und wahrscheinlich der ganzen Welt ist. Sein Schwager studiert hier) den Importen aus China und Türkei, dem Zahnarztlabor seiner Frau, dem Ruf von Zahnärzten im Iran, angebotenen billigen Zahnkorrekturen, und wie zur Bestätigung lächelt sie sympathisch übers ganze Gesicht. Danach fahren wir nochmals nach Abbas Abad und gehen eine Runde um die Anhöhe. Ich sehe die Felsenstelle, an der Darius´ steinerne Keilschrifttafel war, bevor sie ins Museum gebracht wurde, und übermütige Männer dort bloßfüßig herumklettern, sehe aber die in den Felsen gebaute Shoppingmall nicht mehr, da sie zur großen Enttäuschung Mahmouds zu dieser Nachmitternachtsstunde bereits gesperrt ist. Diesmal sitzen wir auf einer abschüssigen Steinbank, ich bekomme den Platz zwischen den jungen Eheleuten und rutsche ständig nach der Seite ab. Auf den Knien balancieren wir eine Dose mit Keksen aus Isfahan, die Thermosflasche mit Tee, Porzellanschalen und die Smartphones, und nun gelingt es mir erstmals, Bilder aus meiner Heimat zu präsentieren.

Am nächsten Morgen werde ich von Reza zum Frühstück abgeholt, um 7 Uhr. Es geht zur großen Überraschung: nach Abbas Abad, das erstaunlicherweise sehr ruhig und aufgeräumt ist.

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ferner

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