Mittwoch, 12. August 2015

Arashs Familie

würde sich geehrt fühlen durch meinen Besuch, hat Arash mir gesagt, am Freitag Abend, wo sich gewöhnlich die ganze Verwandtschaft trifft bei der Großmutter. Und tatsächlich ist es eine Lebendigkeit und Fröhlichkeit, die mir dort begegnet in dem Wohnzimmer im 4 Stock, mit herumtollenden Kindern, Teller austeilenden Jugendlichen, die Köpfe zusammensteckenden Männern und Frauen, einem zufrieden lächelnden Großvater und einer die Töchter und Cousinen dirigierenden Großmutter. Wie von Zauberhand hocken bald die Männer auf der einen Seite und ihre Frauen auf der anderen. Neben mir sitzt der gebildete und einflussreiche Onkel Arashs, der in Amerika studiert hat und sehr gut Englisch spricht. Er ist Direktor der Flughafen-Logistik am Khomeini-Airport und arbeitet an der Verkehrssicherheit Teherans. Wir sprechen den ganzen Abend über Philosophie des Raumes, die unterschiedliche Raumwahrnehmung verschiedener Tiere und des Menschen, Verhaltenseigentümlichkeiten der Perser, Genetik in der Geschichtsforschung und Linguistik und überlegen, wie man diese Geschpräche fortführen könnte. Die Raumwahrnehmung verändert sich, als das Essen am Boden gerichtet ist und wir die Stühle und Polstersessel verlassen, und wiederum, als wir in manche Bewegungsspiele der Kinder einbezogen werden. Erst als ich glaubwürdig machen kann, dass ich wirklich nichts mehr essen und trinken kann, also gegen Mitternacht, werde ich entlassen und kann mit Mühe abwehren, noch Proviant und eine Versorgung für den nächsten Tag zugesteckt zu bekommen.

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Geschlechtertrennung und ihre Umsetzung

In der Metro in Tehran hatten mich die beiden quirligen Sportlerinnen, die gerade von einem mehrtägigen Kletterwettbewerb kamen und bei dem die eine Jurorin und die andere Teilnehmerin war, Sekunden vor der Abfahrt verlassen müssen und in den hinteren Wagen rennen, der für Frauen vorgesehen ist.
In Tabris zwickte Rana ihre Fahrkarte zwei Mal, für sie und für mich, stieg aber hinten ein, ich vorne. Drinnen im Bus trafen wir uns dann wieder, an beiden Seiten der schulterhohen gläsernen Trennscheibe. Im Taxi saß ich vorne, sie hinten. Auf der Picknickdecke beide nebeneinander, auf der Sitzpritsche im Traditionsrestaurant ebenso.
Im Schutzhaus am Damavand auf über 4000 Meter Seehöhe saßen Männer und Frauen durcheinander an den Tischen, und nachts schliefen sie quer durchmischt auf den zweistöckigen Lagerpritschen, die TeilnehmerInnen der zwei oder drei Bergsteigergruppen, schlanke und sportliche, selbstbewusste junge Menschen, geschlechtergemischte gutbürgerliche Wandergruppen, kleine jugendliche Gruppen von Reisenden sowie ein Einzelgänger.
In Hijdaris Wohnzimmer saß ich am Sofa neben seiner etwas einsilbigen, noch unverheirateten Tochter Delaram, die mir kräftig die Hand gedrückt hatte, während Hijdari seine nackten Füße am Couchtisch platzierte.
Die attraktive, gut geschminkte Putzfrau im Ordibehesht-Hotel arbeitete sich in gelassenem Tempo mit todernstem Gesicht den ganzen Teppichflur entlang und schließlich zwischen meinem Sofa und dem Tischchen vor der Rezeption hindurch, wo ich meine Arbeit mit dem Lobtop verrichtete, und ich musste meine nackten Füße solange hochhalten. Ihr Mann, der wie sie mit Atemschutz und Staubsauger, aber ohne Kopftuch putzte, also als Putzmann, und für die gleiche Strecke kaum die halbe Zeit brauchte, sang dazu lustige Lieder und lachte die ganze Zeit.
Im Minibus, der von der Ekbatanastraße bis zum Busterminal fuhr, wurde ich in der ersten Reihe neben einer stattlichen, aus dem Fenster blickenden Frau platziert, knapp hinter meinem Tramperrucksack an der Beifahrerrücklehne; kurz vor der Abfahrt setzte sich noch eine Frau auf das heruntergeklappte Sesselchen rechts von mir, ich war also weiblich flankiert. Somit scheint es keinen Ort und keine Tageszeit zu geben, in der man vor Frauen sicher sein kann im Iran

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