Wie steht es mit der Religion?
Darf man die Moscheen denn nicht besuchen?, fragten wir uns am Eingang der Masdjed-e Schahid Mottahari, der groessten und imposantesten der Stadt, welche von Nasir-ud-Din Schah im 19. Jahrhundert errichtet wurde. Denn am Eingang wachte ein muerrischer, gelangweilter junger Mann, keine 30, und wollte uns freundlich Gruessende keineswegs passieren lassen. Des Englischen nicht maechtig, war er in unserem Redeschwall im Nachteil, und unter Beteuerungen und Erklaerungen gelangten wir bereits im Hof an, als wie durch Himmelsfuegung aus einer Tuer eine Schar schwatzender junger Maenner mit ihrem Lehrer platzten, an die wir uns arglos fragend wandten, und einige erboten sich augenblicklich als unsere Fuehrer, sodass der Pfoertner das Nachsehen hatte und sich grimmig mit unseren Taschen zufrieden geben musste - fuer fuenf Minuten, wie ihm versichert wurde. Valentin und Tobias hatten vorsorglich ihre Fotoapparate an sich genommen, die sie auch ausgiebig nutzen durften.
Die Fuehrung durch den Koranlehrer und Universitaetsprofessor war das Beste, das uns passieren konnte. Der von vier Iwanen umgebene Hof war gesaumt von Doppelarkaden, in denen frueher Geschaefte untergebracht waren, im Sueden von einem offenen Gebetsraum, der im Sommer benuetzt wurde. Der noerdliche Iwan besass drei Tuerme, in denen uns der Fuehrer stolz die in England hergestellten Glocken zeigte. Wir sahen die Gebetshalle mit ihren 44 zwoelfeckigen Saeulen mit Stalagtit-Kapitellen, und wir bestaunten im ziegelgemauerten Rundumgang das kunstvolle siebenteilige Gewoelbe, das sich, ineinander verhakt, ohne Saeulen ueber den Gang spannte. In einem mit stilisierten labyrinthartigen Schriftzeichen aufgemalten Gebetstext wies unser Fuehrer auf die Anrufungen Gottes, des Propheten und Alis, welcher nur von den Schiiten verehrt wurde, wie sie im Iran die Mehrheit bilden.
Als wir aber auch noch die Galerie abschritten und von oben in den Hof und sein Wasserbecken sahen, verlor der Waechter seine Geduld und winkte uns herunter. In grosser Freundlichkeit verabschiedeten wir uns von unserem Fuehrer und seinem Kollegen und tauchten wieder in das laute, staubige Stadtleben.
So sind wir heute der Religion begegnet, gerade in der Moschee, in welcher auch der Praesident betet, und Misstrauen begegnete uns nicht von dieser, sondern eher von Beamtenseite, und es scheint mehr von der Unbildung als dem Glauben herzuruehren - die zweite Lehre.





Die Fuehrung durch den Koranlehrer und Universitaetsprofessor war das Beste, das uns passieren konnte. Der von vier Iwanen umgebene Hof war gesaumt von Doppelarkaden, in denen frueher Geschaefte untergebracht waren, im Sueden von einem offenen Gebetsraum, der im Sommer benuetzt wurde. Der noerdliche Iwan besass drei Tuerme, in denen uns der Fuehrer stolz die in England hergestellten Glocken zeigte. Wir sahen die Gebetshalle mit ihren 44 zwoelfeckigen Saeulen mit Stalagtit-Kapitellen, und wir bestaunten im ziegelgemauerten Rundumgang das kunstvolle siebenteilige Gewoelbe, das sich, ineinander verhakt, ohne Saeulen ueber den Gang spannte. In einem mit stilisierten labyrinthartigen Schriftzeichen aufgemalten Gebetstext wies unser Fuehrer auf die Anrufungen Gottes, des Propheten und Alis, welcher nur von den Schiiten verehrt wurde, wie sie im Iran die Mehrheit bilden.
Als wir aber auch noch die Galerie abschritten und von oben in den Hof und sein Wasserbecken sahen, verlor der Waechter seine Geduld und winkte uns herunter. In grosser Freundlichkeit verabschiedeten wir uns von unserem Fuehrer und seinem Kollegen und tauchten wieder in das laute, staubige Stadtleben.
So sind wir heute der Religion begegnet, gerade in der Moschee, in welcher auch der Praesident betet, und Misstrauen begegnete uns nicht von dieser, sondern eher von Beamtenseite, und es scheint mehr von der Unbildung als dem Glauben herzuruehren - die zweite Lehre.





weichensteller - 19. Aug, 18:34